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Ferenczis wissenschaftliche Persönlichkeit findet in diesem Werk ihren klarsten Ausdruck. Die „Genitaltheorie“ ist ein Werk der schöpferischen Intuition, einer Intuition, die der jahrelange Durchgang durch den Filter der Empirie, gewissenhafte Beobachtungen, die stummen, doch mühsamen therapeutischen Kämpfe der täglichen Behandlungsstunden veredelt haben. Ferenczi ist ein Romantiker unserer Wissenschaft und das Schicksal jedes Romantikers wird ihm zuteil, er muß interpretiert werden. Was in seinem Werk an klassischer Ausgeglichenheit der Gestaltung fehlt, schenkt er uns in dem Reichturn seiner weitblickenden Ideen, Anregungen und Funde, die er oft noch roh, ungeschliffen vor uns wirft, die noch etwas vom mystischen Dunkel des Unbekannten an sich haben, ihre Herkunft aus den kaum eroberten Gebieten des Kosmos nicht verleugnen können. Man fühlt, daß der, der dieses Buch geschrieben hat, kein Handwerker ist, sondern jemand, für den Forschung Erlebnis bedeutet, innere Notwendigkeit ist. Er ist kein Sohn unserer Separatabdrucke fabrizierenden Zeit, er hat kein „gelehrtes Buch“ geschrieben und so darf diesmal endlich auch die „gelehrte“ Kritik schweigen. Wenn wir auch nicht mit jeder Einzelheit seiner Ausführungen einverstanden sind, begrüßen wir den Geist des Buches, der dem Geist der Psychoanalyse entwachsen ist. Ferenczis kühne Husaren-Attacke bedeutet zwar noch nicht den endgültigen Sieg, doch durch die Bresche, die sein Wagnis geschlagen hat, eröffnet sich uns die Aussicht auf die Eroberung des Körpers durch die Psyche.
Hier liegt der gedankliche Kern des Buches. Ferenczi versucht nicht nur den Trieb, sondern auch den morphologischen Aufbau des Körpers nach seinem Sinn aufzuklären, jene psychischen Tendenzen, Wünsche zu rekonstruieren, aus denen die Triebe als Erstarrungsprodukte entstanden