You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Autor geht von der Beobachtung aus, daß in den letzten vier Jahren das Wort „Schizophrenie“ in das „Zeitbewußtsein“ eingedrungen sei; im Tagesschrifttum wimmele es von Ausdrücken wie „schizoid“, „schizothym“ u. dgl., man treibe mit diesen Worten einen förmlichen Kult. Zu dieser Mode ergreift er vom Boden der Fachwissenschaft aus das Wort.
Er schildert zunächst die Entstehungsgeschichte des Begriffes „Schizophrenie“, wobei er vor allem auf die wesentlich veränderte Grundeinstellung hinweist, die Bleuler im Gegensatz zu Kraepelin hatte, da für ihn, den am „Inhalt der Psychose“ Interessierten, die Probleme erst dort begannen, wo sie für jenen endeten. Interessant ist, daß Prinzhorn der Psychoanalyse bei der Entstehung des Schizophreniebegriffes erne große Rolle zuschreibt; er schildert die durch die Psychoanalyse beherrschte Situation der Jahre 1905-1910 am Burghölzli und meint, für Bleulers „Dementia praecox oder Gruppe der Schizophrenien“ seien „Freud, Jung und Bleuler“ „repräsentativ verantwortlich“. Den nächsten Schritt habe Kretschmer unternommen, der mit seinen „schizoiden“ und „zykloiden“ Typen „wesentliche seelische Anlagenunterschiede innerhalb der Gattung Mensch“ gefunden zu haben glaubt Die Begriffsübertragung von der Psychiatrie auf die Psychologie, die von Kretschmer dabei vorgenommen wurde, untersucht der Autor kritisch und anerkennt sie als legitim. Tatsächlich seien die Grenzen zwischen „krank“ und „normal“ im Gebiete des Schizoiden vollkommen fließend. Das Wesentliche sei die eigenartig gesperrte Beziehung zur realen Umwelt.
Woher stammt nun die „Mode“, fragt der Autor, sich mit diesen Problemen allgemein so viel zu befassen ? In der letzten Generation sei, meint er, eine Wandlung eingetreten in „unserer Auffassung vom Menschen, von den kulturellen Werken, vom Sinn des Lebens überhaupt“, von der die „Beamtennaturen“ nichts ahnen. Die Wandlung sei eine „säkulare“; sie beginne mit der französischen Revolution, gipfele in Dostojewski und Nietzsche und „