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Die Psychoanalyse erntet in der letzten Zeit von Seiten der exakten biologischen Wissenschaften vielfache Anerkennung. Eine Reihe ausgezeichneter Arbeiten der gegenwärtigen Biologie zeigte uns, daß die von der Psychoanalyse entwickelten Auffassungen ihre glänzende Bestätigung in der experimentell-biologischen Forschung finden. Arbeiten aus dem Gebiete der inneren Sekretion erhärten die Lehre der Psychoanalyse von dem Einfluß des Sexualapparates auf die Gehirntätigkeit; die experimentell bewiesene somatische Zweigeschlechtlichkeit des tierischen Organismus nähert sich der psychoanalytischen Lehre von der Bisexualität. Wir sehen auch in den neuesten nervenphysiologischen Arbeiten Anzeichen einer glänzenden Bestätigung der psychoanalytischen Sätze.
Diese Lage der Dinge ist natürlich nicht mit einem Male entstanden; ebenso wie seinerzeit die Psychoanalyse mußte auch die neue Physiologie eine ganze Reihe alter Gesichtspunkte überwinden.
Die geschichtliche Entwicklung der Psychoanalyse ist als eine Reaktion auf die vulgär-anatomisch denkende Medizin aufzufassen, die sich zum Ziele setzte, die ganze Mannigfaltigkeit der menschlichen Lebensvorgänge auf ihre anatomische Grundlage zurückzuführen. Diesem vulgär-anatomischen Gesichtspunkte ist schon Charcot entgegengetreten, der als zentrales Problem das der Psychogenie hervorhob. Dadurch kam er sofort in Widerspruch zu der alten vulgär-anatomischen Physiologie; und gerade an diesem Punkt hat sich ein Streit entsponnen, dessen Ausgang für die Entwicklung der physiologischen Wissenschaft überhaupt symptomatisch ist.
Die klassische Physiologie konnte die Möglichkeit der „Psychogenie“ hauptsächlich aus dem Grunde nicht verstehen, weil sie sich überaus primitiv vorstellte, daß alle menschliche Tätigkeit letzten Endes in eine Reihe von konstanten, unveränderlichen und streng lokalisierten Funktionen vollkommen zu zerlegen sei, welche wiederum auf die Tätigkeit