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Ein Lehrbuch der Irrenpflege, das die Psychoanalyse im Literaturverzeichnis erwähnt. Dort heißt es: Freud, Über Psychoanalyse, Wien, 1922, nach welcher Schrift die Psychoanalyse eine Therapie sein soil, die „durch Fragen und durch Eindringen in das seelische Leben der Patienten alte und aus dem Bewußtsein verdrängte Erinnerungen und Gefühle wieder hervorruft und mit deren Freimachung gewisse Krankheitszustände heilt. Solche ‚eingeklemmte Affekte‘ wären nach Freud die Ursache vieler Erscheinungen, besonders der hysterischen“. — Sonst findet die Psychoanalyse keine Erwähnung. Der psychologische Teil ist ohne Berücksichtigung der psychodynamischen Auffassung abgefaßt. Von einer Trieblehre ist keine Rede. Der Sexualtrieb wird schamhaft als letzter in einer Reihe von Trieben besprochen, unter denen Vernichtungstrieb, Wandertrieb, Selbstmordtrieb u. a. figurieren. Verfasserin scheint allen modernen Strömungen gerecht werden zu wollen, wodurch sie dem Opportunismus verfällt. Dieser Tendenz, nicht einer wirklich empfundenen Notwendigkeit, hat offenbar auch die Psychoanalyse ihre Erwähnung zu verdanken. — Die die Pflege betreffenden Abschnitte, offenbar das Gebiet, in dem Verfasserin Erfahrung in hohem Maße besitzt, sind bemerkenswert gut behandelt.
Bally (Berlin)