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Gemeinverständlich und überzeugend befürwortet Meng auf Grund des psychoanalytischen Wissens über die infantile Entwicklung eine Erziehung, bei der das Schuldgefühl nicht durch Strafen gefördert wird. Die Unart sowie das Bravsein sollen „für die harmonische leibliche und seelische Entwicklung ausgenützt“ werden, die destruktiven Triebe werden im Spiel ahgeführt; der Phantasie wird dabei aller Raum gewährt, ihrer Umsetzung in die Wirklichkeit Vorschut geleistet. Die Spiele sind „Erfüllung von Triebforderungen, die das Kind ohne Schuldgefühle erreichen kann“. — Der moderne Erzieher kennt wohl die Versagung, er versagt aber allein das „Tun“, nicht die Regungen und Worte, für die er jederzeit offenen Sinn haben muß. Durch diese Versagung erfolgt allmählich von selbst die Ablösung vom geliebten Erzieher, die dieser durch weise Dosierung seiner Zärtlichkeit fördern kann, auf Grund der Kenntnis der ambivalenten Gefühlseinstellung des Kindes. Die Sublimierungen werden ja erreicht, weil die Erreichung eines Zieles nicht nur organische Befriedigung, sondern auch Lustbefriedigung des kindlichen Liebesinstinktes gewährt“, denn „die Liebe zur Mutter lehrt eine Generation, von der anderen zwanglos zu lenien“. — Da gerade die frühinfantile Erziehung die Verdrängung oft mit Strafen fördert, gibt es die Strafe wünschende Schulkinder, denen die alten Erziehungsformen mehr zusagen, als die der freien Schule. Ja, „es mag sein, daß Völker, die noch nicht durch den Zwang gegangen sind, für unsere höhere Kultur noch nicht befähigt sind“. Solche Beobachtungen und Überlegungen sollen aber nicht davon abhalten, eine Erziehung abzulehnen, die im wesentlichen darauf ausgeht, das Schuldgefühl mit Äquivalenten der Kastrationsdrohung zu reizen. Aber eine straffreie Erziehung bietet immer große Schwierigkeiten: „Sie kann nur dem Erzieher gelingen, der selbst in seiner Einstellung zum Kind frei wurde von Zwang und Schuldgefühl.“
Bally (Berlin)