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Es kann kein Zweifel sein, daß der Tod Karl Abrahams der härteste Schlag ist, der bisher die Psychoanalyse getroffen hat. Wir haben eine ganze Anzahl anderer wertvoller Mitarbeiter verloren, auch einen Gruppenpräsidenten, deren Namen unsere Erinnerung immer festhalten wird. Die psychoanalytische Bewegung hat Schicksalsschläge von anderer Art erfahren, bei einem derselben auch einen Präsidenten eingebüßt. Aber bei aller Einschätzung dieser Verluste dürfen wir doch sagen, keiner von ihnen bedeutete für die Psychoanalyse dasselbe wie der jetzt von uns Betrauerte. Denn Karl Abraham war zugleich ein Meister der Theorie und der Praxis unserer Wissenschaft, einer der ersten Eroberer auf unserem Forschungsgebiet, ein Führer und Organisator höchster Ordnung, ein treuer Freund, Mitarbeiter und Helfer für alle. Die nachfolgende Darstellung seines Lebens und seiner Tätigkeit soll zeigen, welche Gründe wir haben, seinen Verlust so schwer zu empfinden.
Sein Lebenslauf gestaltete sich in folgender Weise: Er wurde am 5. Mai 1877 in Bremen geboren, war also erst 48 Jahre alt, als er starb. Er stammte aus einer alten jüdischen Familie, die durch lange Zeiten in verschiedenen Städten Norddeutschlands geblüht hatte. Er hatte einen älteren Bruder, aber keine Schwester. Den Schulunterricht genoß er in seiner Heimatstadt bis zum Jahre 1896 und wandte sich dann der Medizin zu.
In seinen späteren Schuljahren entwickelte Abraham eine besondere Neigung zur Philologie und vergleichenden Sprachkunde. Wenn es die Umstände gestattet hätten, hätte er sich wahrscheinlich diesen Studien ausschließlich gewidmet, sein Interesse für sie hielt durch sein ganzes Leben an, und sicherlich verfügte er über eine ungewöhnliche Begabung in dieser Richtung. Er beherrschte außer seiner Muttersprache Englisch,