You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
(In der Trauerfeier der „Berliner Psychoanalytischen Vereinigung“, am 12. Januar 1926)
Auch die Erfüllung der traurigen Pflicht, für den Führer und Freund, der von uns geschieden ist, einige Worte der Trauer und des Gedenkens zu sprechen, kann ich nur im Sinne unserer Wissenschaft vollziehen, das heißt als Psychologe; statt der inhaltsleeren Lobsprüche, die sonst in Nekrologen Sitte sind, will ich mich bemühen, das geistige Antlitz des Dahingeschiedenen, wie es mir deutlich vor Augen steht, so gut ich eben kann, nachzuzeichnen; handelt es sich doch um einen Menschen, dessen Bild nur gewinnen kann, je vollständiger und getreuer es ausgeführt wird.
Ich kann meine Charakteristik nicht besser einleiten als mit dem Bericht einer Episode, die, so unbedeutend sie ist, mir den wesentlichsten Zug Abrahams wiederzugeben scheint. — Vor einigen Jahren sprach ich mit einem philologisch streng geschulten Freund, der, dem psychoanalytischen Verlage nahestehend, die Stileigentümlichkeiten der psychoanalytischen Autoren genau verfolgt hatte. Dieser Freund sagte mir: „Unter allen psychoanalytischen Schriftstellern ist Abraham der einzige, dessen Stil absolut tadellos ist.“ Dieses Urteil erinnerte mich damals sogleich an ein Gespräch, bei dem mir Freud viele Jahre früher, als die Anzahl der ausübenden Analytiker noch leicht übersehbar war, gesagt hatte: „Unter meinen Schülern sind nur zwei, bei denen ich mich auf die Korrektheit ihrer Technik voll verlassen kann“, und von den beiden Namen, die er nannte, war der eine der Abrahams. Wir alle wissen, in welchem Maße Abrahams Stil seine Persönlichkeit widerspiegelte. Nur einem Menschen von vollkommener Wahrhaftigkeit und rücksichtsloser Ehrlichkeit gegen sich selbst, der gewohnt war, seine Gedanken alle folgerichtig zu Ende zu denken und weder vor sich, noch vor seinen Lesern etwas zu verheimlichen suchte, konnte ein Stil von so durchsichtiger und gleichmäßiger Klarheit gelingen, wie es der seinige war. Und diese Eigenschaft seines Stils, d