You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es ist einer der häufigen Vorwürfe gegen die Psychoanalyse, — und in der Schweiz z. B. geradezu der häufigste — daß sie zu ausschließlich analytisch, das heißt passiv vorgehe, daß sie nicht eine wirkliche Psychotherapie im modernen psychagogischen Sinne sei, weil sie sich zu ausschließlich mit den unbewußten sexuellen Energien beschäftige und von den bewußten psychischen Energien zu sehr absehe. Es fehle ihr der Abschluß einer „Psychosynthese“ und der Versuch einer „Reedukation“, um die Behandlung zu vervollständigen. Dies sei die Ursache einer therapeutischen Unzulänglichkeit, die durch zahlreiche Fälle belegt werden könne, in denen nach der Behandlung ein gewisser Grad von Unbehagen und Unfähigkeit weiter besteht, manchmal sogar ein starkes Minderwertigkeitsgefühl, selbst wenn die hauptsächlichsten Symptome beseitigt worden sind. Mit einem Wort, die Psychoanalyse wird als eine „amoralische“ Methode hingestellt.
Ich weiß nicht, ob die Häufigkeit und die Allgemeinheit dieser Kritik einen besonderen Charakterzug der schweizerischen Mentalität vertritt. Wir dürfen aber nicht übersehen, daß gerade in unserem Lande die dissidenten Methoden von C. G. Jung und von Maeder das Licht erblickten, oder daß Pfarrer Pfister seine ethisch-synthetische Erziehung mit der Psychoanalyse verschmilzt. Wie dem auch sei, möge die Kritik zu Recht oder Unrecht bestehen, ich meine, daß jeder Analytiker sie doch in Betracht ziehen sollte angesichts ihrer Ausbreitung und ihres spontanen Charakters. Es ist vielleicht nicht ausgeschlossen, daß sich etwas anderes dahinter verbirgt, als nur ein einfacher Widerstand. Denn es ist schon ein psychologisches Problem an und für sich, warum das Persönlichkeitsgefühl im Menschen so tief verletzt wird und so heftig reagiert auf eine Lehre, die