You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Freud weist uns in einigen seiner letzten Arbeiten mit wachsender Dringlichkeit auf eine Einseitigkeit in der Richtung der analytischen Forschungen hin, die darin besteht, daß bis vor nicht allzulanger Zeit nur die Psyche des Knaben und des Mannes zum Objekt der Untersuchungen gemacht wurde.
Der Grund hierzu liegt ja auf der Hand: Die Psychoanalyse ist die Schöpfung eines männlichen Genies, und auch fast alle, die seine Ideen weiterbildeten, waren Männer. Es ist nur recht und billig, daß ihnen eine männliche Psychologie näher lag, und daß sie von der Entwicklung des Mannes mehr verstanden als von der der Frau.
Einen grundlegenden Schritt zum Verständnis weiblicher Eigenart machte Freud selbst mit der Aufdeckung des Penisneides, und bald zeigten die Arbeiten von van Ophuijsen und Abraham, welche große Rolle diesem Faktor in der Entwicklung der Frau und in der Bildung weiblicher Neurosen zukäme. Die Bedeutung des Penisneides ist in jüngster Zeit erweitert worden durch die Aufstellung der „phallischen Phase“. Ihr Sinn besagt, daß in der infantilen Genitalorganisation für beide Geschlechter nur ein Genitale, nämlich das männliche, eine Rolle spiele, und daß eben hierin der Unterschied von der endgültigen Genitalorganisation der Erwachsenen liege.1 Im Lichte dieser Anschauung wird die Klitoris als Phallus aufgefaßt und wird angenommen, daß auch das kleine Mädchen die Klitoris zunächst voll und ganz als Penis werte.2