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Nach Freud geht der Ödipuskomplex des Knaben an der Kastrationsangst zugrunde. Sucht der Knabe an die Stelle des Vaters zu treten, droht ihm der Verlust des Penis als Folge, sucht er sich an die Stelle der Mutter zu setzen, wäre dieser Verlust eine Voraussetzung dazu Um sich vor der Kastration zu retten, identifiziert sich das männliche Kind mit der elterlichen Autorität, insbesondere mit der des Vaters und des mit seiner Person gegebenen Inzestverbotes, errichtet durch diese Identifizierung sein Über-Ich, das ihn zur Bekämpfung und Unterwerfung der Ödipuswünsche anspornt und befähigt.
Die Frage ist, was tritt beim Mädchen an die Stelle der Kastrationsangst? Besitzt es ein Äquivalent dieser, das es in gleichem Maße befähigt, seinerseits ein Über-Ich zu bilden? Nach Freud sind es beim Mädchen viel mehr als beim Knaben die Einwirkungen der Erziehung und der drohende Liebesverlust, die das Mädchen zum Verlassen des Ödipuskomplexes und zur Bildung eines Über-Ichs drängen.
Ich glaube nun, wahrscheinlich machen zu können, daß das Mädchen etwas besitzt, das als ein vielleicht vollgültiges Äquivalent der Kastrationsangst des Knaben angesehen werden kann. Dieses Äquivalent sehe ich in der infantilen Weiblichkeit des kleinen Mädchens und der damit, im Gegensatze zum Knaben, von vornherein gegebenen größeren masochistischen und passiven Einstellung. Diese Auffassung hat allerdings zur Voraussetzung eine gewisse Korrektur unseres bisherigen Bildes von der ursprünglichen männlichen Sexualität des weiblichen Kindes.
Ich habe den Eindruck, daß wir diese einmal als zu ausschließlich vorhanden und ein andermal als zu ursprünglich angesehen haben, daß vielmehr bereits frühzeitig das kleine Mädchen sich psychisch weiblich äußert und diese Äußerungsweise einem unbewußten Wissen um den passiven Teil des weiblichen Genitalapparates, um die Scheide, entspricht, und daß der