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Die Bedeutung der Latenz- oder Aufschubperiode für die Ätiologie der Neurosen und — von einem weiteren Standpunkt aus gesehen — für die psychische Entwicklung der unserer Forschung bisher zugänglichen Menschen ist zweifellos eine ganz hervorragende. Es ist darum verwunderlich, daß sich in der Literatur außer den grundlegenden Formulierungen Freuds nur wenige Andeutungen über diesen Lebensabschnitt finden, die der Möglichkeit der von uns gewählten Forschungsmethode auch nur einigermaßen gerecht werden können. Verwunderlich um so mehr, als zum Ausgangspunkt der Abgrenzung eines ganzen Lebensabschnittes von Freud zwei auf induktivem, empirischem Wege gewonnene Einsichten, Entdeckungen genommen wurden, die vielleicht eher als spekulative Forschung Anregung, Ansporn zur Vertiefung hätten bieten können. Zweifellos sind wir aber auch wegen der Schwierigkeit der Kinderanalyse und der hier nach wie vor heftigen Widerstände der Gesellschaft im Hintertreffen unserer analytischen Forschung.
Zuerst war es „die den meisten Menschen eigene Amnesie“, welche in der Zeit vom fünften bis siebenten Lebensjahr eine Grenze ziehen ließ, mit der das Erinnerungsvermögen an die frühe Kindheit — insbesondere aber an deren Triebäußerungen und Triebansprüche — aufhörte und in vielen, — ich unterstreiche Freuds Einschränkung — nicht in allen Fällen eine veränderte, kritische, ablehnende Verhaltungsweise gegen die Triebanfechtungen einsetzte. Diese Ablehnung trat als „Ekel, Schamgefühl,