You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Seit Freud uns gelehrt hat, in das Schalten und Walten des Unbewußten Einblicke zu tun, konnten wir erfahren, welche Bedeutung den mannigfaltigen Kulturbestrebungen und Institutionen in unserem „Es“ zukommt, und wie alle geistigen Tätigkeiten als Symbolwerte und Sublimierungen aus Sexualtrieben sich aufbauen. Beim Mißlingen dieser Sublimierungsarbeit müssen unweigerlich unsere geistigen Strebungen der „Sexualisierung“ verfallen, sie werden mit den dabei durchbrechenden Schuldgefühlen ausgestattet und zum Scheitern gebracht. Diese Vorgänge möchte ich aus der Analyse einer in ihrer Arbeit gehemmten Studentin aufzeigen, und die daraus gewonnenen Einsichten werden es uns ermöglichen, einen Beitrag zur Psychologie des Studiums und des Examens zu liefern.
Freud hat uns schon längst für das Einzelindividuum gezeigt, wie, mit frühen Kindheitserlebnissen verknüpft, das Examen zum Werkzeug unserer Bestrafungstendenzen werden kann. In der „Traumdeutung“ sagt Freud:
„Es sind unauslöschliche Erinnerungen an die Strafe, die wir in der Kindheit für verübte Untaten erlitten haben, die sich so an den beiden Knotenpunkten unserer Studien, in dem „dies irae, dies illa“ der strengen Prüfungen in unserem Innern wieder geregt haben. Auch die Prüfungsangst der Neurotiker findet in dieser Kinderangst ihre Verstärkung. Nachdem wir aufgehört haben, Schüler zu sein, sind es nicht mehr wie zuerst die Eltern und Erzieher und später die Lehrer, die unsere Bestrafung besorgen; die ursprüngliche Kausalverkettung des Lebens hat unsere weitere Erziehung übernommen, und nun träumen wir von der Matura oder von dem Rigorosum, — und wer hat damals nicht selbst als Gerechter gezagt? — so oft wir erwarten, daß der Erfolg uns bestrafen werde, weil wir