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Als kausale Psychotherapie hat die Psychoanalyse zunächst die Aufgabe, den Sinn der manifesten und der larvierten neurotischen Angst bewußt zu machen; erst nachdem dies gelungen ist, vermag sie ihre Quellen zu beeinflussen, die, wie Freud gezeigt hat, letzten Endes Triebenergien sind. Die therapeutische Beeinflussung bedeutet nur eine Neuordnung der Triebe im Sinne einer der Realität besser angepaßten Zusammensetzung. Doch unterscheiden sich die Quellen der neurotischen Angst untereinander durch verschiedene dynamische Wertigkeit. Die Dauerheilung, die die Psychoanalyse erzielen will, wird nur durch die gelungene Beeinflussung der dynamisch vollwertigsten Angstquelle garantiert. Man kann nun die ätiologische Wertigkeit der Angstquellen nach ihrer gegenseitigen Abhängigkeit beurteilen: Man wird diejenigen als sekundäre Angstquellen bezeichnen, die 1. ihre pathogene Wirksamkeit erst während des neurotischen Regressions- und Verdrängungsprozesses entfalteten und 2. ihre dynamische Kraft vorwiegend aus anderer Quelle beziehen.
Freud hat als erster nachgewiesen, daß sexuelle Abstinenz oder inadäquate Befriedigung unmittelbar Angst erzeugen kann.1 Diese „Aktualangst“ beruht auf somatischer Libidostauung und schwindet, wenn diese Schädigung behoben wird. Ferner fand er, daß Angst auch dadurch zustande kommt, daß dem moralischen Ich die Unterdrückung einer libidinösen Triebregung nur unvollständig gelingt: der verdrängte Trieb kehrt als Angst wieder, d. h., diese ist die Angst des Ichs vor seinem Triebanspruch. Da jede Sexualverdrängung eine Stauung der somatischen Libido