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Wenn wir in den folgenden Darlegungen den Versuch wagen, ein Trinkerdelir zu analysieren, so kann es sich dabei nicht etwa darum handeln, den vorwiegend peripher bedingten Ursprung der Halluzinationen bestreiten und das Delir rein aus psychischen Momenten ableiten und erklären zu wollen. Daß der Delirant kleine, bewegte Dinge sieht, die er als lebende Wesen auffaßt, mag wohl auf neuritischen Veränderungen des Nervus opticus beruhen, die in Form von Flimmern und Flecken von der Retina des Kranken perzipiert, durch den Tremor der Augenmuskeln bewegt und so in die Außenwelt projiziert werden. Aus alkoholneuritischen Parästhesien dürften auch die Sensationen abzuleiten sein, welche die Patienten veranlassen, nach Fäden zu greifen, Wasserstrahlen zu spüren usw. Komplexbedingt und analysierbar erscheinen uns nur die Umdeutungen, die der Delirant seinen Parästhesien gibt, und es ist klar, daß die Deutung, die wir im einzelnen Fall finden, nur für diesen Geltung haben kann und nicht verallgemeinert werden darf. Mag auch die Angst des Alkoholdeliranten wohl hauptsächlich verursacht sein von seiner Herzschwäche und der Intensität der Vergiftung, so wird sie doch in jedem einzelnen Falle sich verknüpfen mit der Erinnerung an angstbetonte Situationen früherer Zeit, wie wir zeigen werden, sogar an solche der Kindheit.
Im allgemeinen sind die Bedingungen zur Analyse von Trinkerdelirien recht ungünstig. Abgesehen davon, daß es sich meist um wenig gebildete, durch langjährigen Alkoholismus intellektuell reduzierte Individuen handelt, sprechen diese Kranken zudem nachträglich ungern von ihren deliriösen Erlebnissen. Es scheint eine gewisse Verdrängung derselben einzutreten, die noch bewußt begünstigt wird, da die Leute wissen, daß die Störung vom übermäßigen Trinken herkommt oder doch von ihrer Umgebung davon