You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Gynäkologie beschäftigt sich vorwiegend mit den physischen Zuständen, darunter mit der Lage der Genitalien. Bisweilen gelingt es der Psychoanalyse, zum Verständnis der Erscheinungen mit Hilfe der Libidotheorie beizutragen und den aktuellen Zustand abzuleiten aus dem vorhergegangenen Liebesleben der Patientin und aus dem Grad ihrer Fähigkeit, die infantile Sexualität für eine exogame genitale Befriedigung aufzugeben. Die Nutzphysiologie muß durch eine Lustphysiologie ergänzt werden (Ferenczi).
In der psychoanalytischen Literatur lesen wir mancherlei über die Genitalisierung anderer Organe, und wir lernen somit etwas über die dadurch hervorgebrachten Veränderungen. Wenig ist aber über die Veränderungen in den Genitalien selbst geschrieben worden, wenn diese nicht mehr als zentrale Organe der Erotik funktionieren. Durch neuere Untersuchungen bin ich zu der Ansicht gekommen, daß eine Schwäche des Beckenbodens und der die Gebärmutter tragenden Fascien darauf hinweisen könnte, daß die genitale Stufe entweder nicht erreicht oder nicht beibehalten worden ist, und daß also der Verlust an Tonus in diesen Geweben ein Zeichen von Degenitalisierung sein kann. Ein Fall möge dies erläutern.
Eine siebenundzwanzig Jahre alte Frau, die sechs Jahre verheiratet war, litt an Abscheu vor dem geschlechtlichen Verkehr. Sie fürchtete, etwas Schreckliches könne ihr und ihrem Manne widerfahren. Dabei litt sie auch an Verstopfung; sie hätte nicht die „Kraft“ den Kot auszutreiben, und sie erlebe nicht den Drang, den Stuhl zu entleeren. Es entwickelte sich ein Prolapsus, der durch Douchen, Pessar und Tampons ohne Erfolg behandelt wurde. Sie blieb der Überzeugung, die Behandlung werde ihr nichts