You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Doktorspiel der Kinder, das uns aus direkter Beobachtung oder eigener Erinnerung gut bekannt ist, gehört oft zu den wenigen Erinnerungsresten, die die kindliche Amnesie überdauern. In ihm sind nach Freuds Formulierung „die infantilen Meinungen über das Wesen der Ehe aufbewahrt“, wodurch ihm neben dem „Papa- und Mamaspiel“ eine „besondere Bedeutung für die Symptomatologie der späteren Neurosen“ zukommt.1 Die verpönten, frühinfantilen Koitus- und Schwängerungsphantasien erscheinen dabei in den spielerischen Veranstaltungen zwischen „Arzt“ und „Patient“ wieder verwandelt, in dem sittlich einwandfreien Wunsch des Heilen-, bezw. Gesundwerdenwollens. Das Instrumentarium des kleinen Arztes, das Penisäquivalente in Form von fingierten Hörrohren, Thermometern, Klistierspritzen und Operationsmessern enthält, verrät dabei deutlich die sadistische Auffassung des Aktes. Die zu behandelnde Krankheit selbst bedeutet sehr häufig in mehr oder weniger verhüllter Form die Schwangerschaft der Mutter. Nicht selten ist das Doktorspiel mit dem „Papa- und Mamaspiel“ kombiniert, wobei das Leidenserlebnis einer Puppe als Kollektivkind zugeschoben wird. Diese geht meist in einer Art „negativer therapeutischer Reaktion“ an der ihr applizierten „Behandlung“ unter Verlust ihrer Gliedmaßen zugrunde. Sie wird ein Opfer des Kastrationskomplexes ihrer Schutzpatrone, denen sie das Ausleben aggressiver Tendenzen gestattet, die eigentlich den Konkurrenten um die elterliche Liebe, den Geschwistern, zugedacht sind.
Das Doktorspiel bietet also als Symbolhandlung sämtlichen im Ödipuskonflikt entstehenden Regungen eine Auswirkung. Es ist eine Wiederholung