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Exploration des Patienten über früheste Jugenderlebnisse, dann über Schulerlebnisse, ethische, soziale Einstellung und (zuletzt) über sexuelle Entwicklung und Sexualleben (um die wesentlichen Punkte hervorzuheben) ergibt als Resultat eine weitschichtige Kenntnis der Persönlichkeit, die, dem Patienten in geeigneter Weise vermittelt, in manchen Fällen bereits zu einer Heilung führt. — Eine bekannte Tatsache. Wir pflegen gelegentlich ähnlich vorzugehen in monosymptomatischen Fällen, in denen wir dem Patienten eine Analyse ersparen zu können glauben.
Neu ist der Name „Persönlichkeitsanalyse“ für dieses Verfahren. Neu ferner die Empfehlung, es in jedem Falle zuerst anzuwenden, denn durch die Persönlichkeitsanalyse „ist eine Basis geschaffen für die Entscheidung, ob eine Freud sche Analyse, Adler sche Individualbehandlung, eine Dubois sche Persuasion, eine Frank sche Psychokatharsis, Coués Autosuggestion, Psychagogik, Hypnose, larvierte Suggestion usw. dem Wesen des Kranken und der Krankheit angemessen ist“ (S. 90). Für eine Psychoanalyse müsse der Patient „eine eigene Art der Selbstbesinnung und Vertiefung“ mitbringen.
Diese scheint der Autor selbst leider nicht zu besitzen. Er hat seine Schrift mit Warnungen und polemischen Äußerungen gegen die Psychoanalyse durchsetzt, die zugleich beweisen, wie oberflächlich er sich mit ihr befaßt hat und — wie sehr sie ihn trotzdem beschäftigt. Das „psychoanalytische Assoziationsgesetz“ (?) scheint ihm falsch, die „antezipierte Schematik“ der Analytiker gefährlich, der „Dogmatismus der Symboldeutung“ verwerflich usf. Am meisten Sorge macht ihm die Entstehung der Übertragung, von deren Analysierbarkeit er noch nicht gehört zu haben scheint.
Bally (Berlin)