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Georg Groddeck vollendete am 13. Oktober 1926 sein sechzigstes Lebensjahr.
Es wäre ihm sicher nichts unerwünschter, als wenn aus diesem Anlaß die Kollegenschaft — zunftgemäß — ihn als „Jubilar“ zu einem solchen Festtage beglückwünschte. Wir wissen: Groddeck haßt alles, was nach Zunft aussieht, auch wenn sie sich nur zum Zwecke seiner Ehrung zusammenschlösse. Wollten wir ihm gar dafür danken, daß durch sein Wirken der psychoanalytischen Bewegung Fortschritte in einer ganz bestimmten Richtung erwuchsen, so würde er sicher auch solchen Dank nur mit einigen Worten der Selbstironie aufnehmen. Denn ihn interessiert in erster Linie nicht die Psychoanalyse, weder als Bewegung noch als Schule, sondern der Mensch an sich, besonders der Mensch in der Not seiner Krankheit.
Der Drang, diesem zu helfen, hat Groddeck Arzt werden und hat ihn auch den Weg zur Psychoanalyse finden lassen. Denn er war von jeher sich der Halbheit eines Medizinertums bewußt, das von dem Seelenleben des körperlich Leidenden nichts weiß. Durch Anwendung psychoanalytischer Einsichten und Erfahrungen auf das somatische Gebiet schuf er die Brücke vom Psychischen ins Physische, als Grundlage einer neuen Krankenbehandlung, eines neuen Arzttums überhaupt. Einer Welt von Vorurteilen, namentlich unter den Fachgenossen, begegnete er dabei mit der ganzen Eigenart und Ursprünglichkeit seines Wesens. — Inzwischen hat er manch „Unheilbaren“ geheilt.
Groddeck ist, mitten in der praktischen Arbeit stehend, sicher auch heute nicht auf Rückblick eingestellt, sondern ganz auf einen Ausblick auf die noch zu bewältigenden Probleme. Sein 60. Geburtstag gibt darum für ihn ebensowenig wie für uns Anlaß zu einer geruhsamen Rückschau, etwa von der Warte einer bibliographischen Würdigung seiner Schriften. Wenn wir trotzdem dieses Tages hier gedenken, so geschieht es mehr aus dem