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“Das Ich und das Es“ brachte uns die systematischen Grundlagen einer künftigen psychoanalytischen Charakterlehre, indem durch die Klärung der verdrängenden Instanzen, ihrer Entwicklung aus dem Es und ihrer Beziehungen untereinander und zur Außenwelt eine Totalität der Anschauungsweise ermöglicht wurde, die berechtigt, von einer „neuen Richtung“ in der Psychoanalyse zu sprechen (Charakteranalyse). Die Lehre vom Über-Ich, vom unbewußten Schuldgefühl, vom Strafbedürfnis usw. ist aber kein selbständig entstandenes neues Gebiet, das nunmehr mit der älteren Neurosenlehre verlötet werden soll oder sie gar überflüssig macht. Sie hat sich vielmehr organisch aus den früheren und allerersten Anschauungen und Theorien Freuds herausentwickelt; so sind die Grundgedanken zur „Strukturanalyse“ und zur Lehre vom Über-Ich bereits in den ältesten Arbeiten Freuds enthalten. Ich erinnere bloß an die Auffassung des Gewissens, des Ichideals und der Verwandlung der äußeren in die innere Versagung vor 1923. Prinzipiell neu war in erster Linie die schon in „Jenseits des Lustprinzips“ angebahnte Änderung der Triebeinteilung: nicht Sexual- und Ichtriebe, sondern Sexual- (Lebens-) und Destruktions- (Todes-) Triebe.
In der psychoanalytischen Literatur der letzten drei Jahre, die fast völlig im Zeichen von „Das Ich und das Es“ steht, kann man deutlich zwei Richtungen verfolgen: die eine, mehr kasuistisch-klinisch, ist gekennzeichnet durch Versuche, das Beobachtete nach den „neuen Gesichtspunkten“ zu ordnen; die andere, ausschließlich theoretisch-spekulativ, zielt auf weiteren Ausbau der jüngsten Thesen Freuds. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn die detaillierte klinische Anwendung der Strukturanalyse bereits soweit fortgeschritten wäre, daß man auch die Sicherheit hätte, auf festem Boden Theorie zu betreiben. Leider ist das Gegenteil der Fall. Das zeigt sich etwa darin, daß begriffliche und terminologische Ungenauigkeiten Gegensätze zwischen den