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Reich würdigt meinen kleinen Aufsatz „Neurose und Gesamtpersönlichkeit“ einer ausführlichen kritischen Besprechung. Da seinen Einwendungen ein, einheitlicher Zusammenhang fehlt, — ja, sie sind sogar häufig in sich widersprechend, — können sie nur einzeln widerlegt werden.
Sein allgemeinster Einwand, zwar nicht direkt gegen meine Arbeit gerichtet, ist der, daß er, obwohl er die Anwendung der neuen Gesichtspunkte der Ichtheorie auf das klinische Material begrüßt, spekulative Versuche — zu denen er offenbar auch meine Arbeit rechnet — tadelt. Da meine Arbeit fast ausschließlich der Bewertung einer der ältesten psychoanalytischen Erfahrungen gewidmet ist, der Erfahrung, daß die Neurose die gleichzeitige Befriedigung von Wunsch- und Selbstbestrafungstendenzen bedeutet, kann ich auf diesen vollkommen ungerechtfertigten Vorwurf weiter nicht eingehen. Im Widerspruche mit der Verkündung seiner antispekulativen Einstellung versucht er, meine Auffassungen hauptsächlich mit rein spekulativen Einwendungen zu widerlegen, ohne im geringsten auf das allerdings in meiner kurzen Arbeit nur kursorisch angedeutete Material einzugehen. Dort, wo er klinische Gegenbeweise zu bringen glaubt, bringt er unzweideutige Bestätigungen meiner Auffassungen.
Eine seiner philosophischen Einwendungen ist, daß das Strafbedürfnis schon deshalb nicht eine so wichtige Rolle in der Neurosenbildung spielen könne, wie ich oder Reik es meinen, weil ja das Strafbedürfnis keine „primäre“ Tatsache sei, die Hemmungen, die von dem Über-Ich ausgehen, nicht primär seien. Reichs Ausführungen erwecken den Anschein, als ob ich die triebhemmende Wirkung des Über-Ichs als etwas Primäres auffassen würde. Nicht das geringste berechtigt zu dieser Auffassung. Ich beziehe mich in dieser Arbeit auf meinen früheren Aufsatz (“Metapsychologische Darstellung des Heilungsvorganges“) und nenne das Über-Ich ein introjiziertes Gesetzbuch vergangener Zeiten, welches die Verbindungen mit der Außenwelt im Laufe der Zeit verliert und den s