You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Beim Fötus und beim Neugeborenen zeigen die Reflexe eine Neigung zur Irradiation und Verallgemeinerung. Übergreifen des Reflexablaufes auf die andere Körperseite und Inkonstanz desselben sind bezeichnend. Durch das Aufsteigen von der Spina zum verlängerten Mark, Tegmentum und Cerebrum nähert sich der Reflexablauf allmählich der Norm, um so mehr, als zugleich mit dieser immer weitergreifenden Einbeziehung höherer psychischer Elemente eine Typisierung und Isolierung der Reflexe stattfindet. Die Neigung zur Irradiation ist aber latent erhalten, ebenso die zum Über- und Zurückgreifen auf Reaktionstypen der embryonalen und frühinfantilen Entwicklung, und zwar den jeweils beteiligten Abschnitten des Zentralnervensystems entsprechend.
Dies beweisen die Versuche von Bechterew. Unter bestimmten experimentellen Bedingungen erwacht die latente Irradiationsbereitschaft in der Richtung eines neben dem „natürlichen“ gesetzten zweiten Reizes (akustischer Reiz bei gleichzeitigem Vorsetzen von Nahrung), der bei geschickter Versuchsanordnung den ihm entsprechenden Reflexablauf so weit bahnt, daß nunmehr dieser vikariierend an Stelle des „natürlichen“ treten kann. (Speichelfluß auf akustischen Reiz, während Reizung der Riechschleimhäute ohne Erfolg bleibt.) Es erfolgt also auf eine Irradiation eine Isolierung des experimentell erzeugten „bedingten“ Reflexablaufes, die desto kräftiger ist, je „älter“ der Reiz wird. Durchbrechung der Versuchsanordnung durch besonders intensive Reize oder Schädigung des psychischen Substrates (Alkohol usw.) haben aber eine erneute