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Seit längerer Zeit macht sich allenthalben das Bedürfnis nach einem Lehrbuch der Psychoanalyse geltend, das als theoretisches Korrelat die praktische Ausbildung zum Analytiker ergänzen könnte, ein Bedürfnis, das durch Freuds „Vorlesungen zur Einführung“ nicht voll befriedigt werden kann. Kein Psychoanalytiker hat es bisher gewagt, sich dieser gewaltigen Aufgabe zu unterziehen. Vielleicht halten die Autoren, die dazu berufen wären, die Zeit für noch nicht gekommen, und ziehen es vor, zu warten, bis sie noch Umfassenderes und Gesicherteres bieten können.
Weniger vorsichtig sind die Anhänger der Schule Stekels. Einer von ihnen, Stoltenhoff, versuchte diese schwere Aufgabe „kurz“ auf 203 Seiten zu erfüllen. Wir können diesen Versuch nur als unzulänglich bezeichnen, und zwar sowohl was Auswahl und Anordnung des behandelten Stoffes, als auch was Inhalt und Art der vorgetragenen Lehrmeinungen betrifft. Das Buch besteht aus einem „theoretischen“ und einem „praktischen“ Teil. Der theoretische Teil will sich darauf beschränken, darzustellen, was für die Praxis wichtig ist und was als bewiesen gelten kann. Man könnte mit diesem Programm einverstanden sein, wenn das Buch wirklich die Grundlagen unserer Theorie vermittelte. Aber schon das Inhaltsverzeichnis des theoretischen Teiles „Die Verdrängung — Der Traum — Die Bipolarität — Die Sublimierung — Die Übertragung — Sexualtheorie — Theorie der Parapathie“ zeigt, daß hier willkürlich einige beobachtete Tatsachen und einige zur Erklärung herangezogene Theorien aneinandergereiht sind: eines steht koordiniert neben dem anderen, kein systematisierender Grundgedanke durchzieht diese Kapitel, weder ein Versuch, die Psyche als lebendige Einheit zu beschreiben (etwa: Trieblehre — Abwehrarten gegen die Triebe — Schicksale der abgewehrten Inhalte o. dgl.), noch einer zu einem umfassenden entwicklungsgeschichtlichen Überblick (die Organisationsstufen der Libido werden im ganzen Buche nicht erwähnt, eine spezifische Regression, ein Problem de