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Es wird uns die Kranken- und Behandlungsgeschichte einer kindlichen Kleptomanie mitgeteilt, die in außerordentlich instruktiver Weise die unbewußten Motive des Stehldrangs aufzeigt und von einem in relativ kurzer Zeit erreichten therapeutischen Erfolg berichten kann. Die Zusammenhänge der Erkrankung mit der Sexualneugierde, dem Haß gegen die Geschwister, besonders gegen eine jüngere Schwester, und mit dem Penisneid wurden in vollkommen überzeugender Weise aufgedeckt. Die Patientin stahl sich alle Rechte, deren sie durch die Geburt der Schwester verlustig gegangen war, in tieferer Schichte den ihr vorenthaltenen Penis.
Ein Bruder war um ein Jahr älter, die Schwester um fünf Jahre jünger. Die ersten Symptome traten im Anschluß an die Geburt der Schwester auf. Sie stahl Federn und Bleistifte, aber auch kleine Geldbeträge, die sie für Autobusfahrten mit der kleinen Schwester verwendete; daneben hatte sie allerhand hysterische Symptome, darunter eine phobische Erschwerung des Autobus- und Untergrundfahrens.
Die Einfälle tendierten vom Beginn der Analyse an zielbewußt zur Sexualneugierde und zum Haß gegen die Geschwister (Neugierde, Fragedrang, Interesse für Tiere — Prügeln der Puppen, Phantasien, ein einziges Kind zu sein). Der Zusammenhang beider Gebiete ergab sich, als man hörte, daß einmal die Sexualforschung die Schwangerschaft zum wesentlichen Gegenstand nahm (der Aufenthalt im Autobus war der im Mutterleib, sie phantasierte wie der kleine „Hans“, daß der Autobus umfalle, sie pflegte gestohlene Sachen im Bett zu verstecken, sie dachte sich aus, daß sie die Mutter, die Mutter sie selbst, daß sie selbst Mutter und Tochter in einer Person sei), daß zweitens ihre glücklicheren Phantasiekinder nie älter als fünf Jahre wurden, also keine Schwester bekamen, daß drittens zur Zeit der Schwangerschaft der Mutter phobische Symptome, besonders Essensängste, sich eingestellt hatten. Sie hatte gedacht, der Vater gehöre dem Bruder, die Mutter ihr; das Baby hatte ihr also die Mutter