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Glover gibt in einer ausführlichen Arbeit einen ausgezeichneten Überblick über alles, was die Psychoanalyse über den „neurotischen Charakter“ heute bereits sagen kann. Er ist gekennzeichnet durch irgendwelche seelischen Krisen, die sich stereotyp wiederholen, und die meist bei Veränderungen im libidinösen Milieu eintreten. Es wiederholen sich z. B. entweder Selbstschädigungen bestimmter Art immer wieder — oder der Betreffende schädigt unabsichtlich andauernd eine Person seiner Umgebung. Einige Fälle des Autors zeigten besondere Störungen in Geldangelegenheiten, z. B. einen typischen Wechsel von Reichtum und Armut; andere haben beruflich abwechselnd Erfolge und Mißerfolge; bei anderen treten immer wieder die gleichen affektiven Situationen ein; wieder anders benehmen sich impulsive Naturen, „triebhafte Charaktere“. Allen sind folgende Züge gemeinsam: 1) Sie haben bestimmte pathologische Charaktereigenschaften. 2) Sie bereiten sich oder anderen Unannehmlichkeiten im Alltagsleben. 3) Die pathologischen Züge sind durch Rationalisierungen verdeckt.
Nach Widerlegung des Einwands, es könnte sich beim „neurotischen Charakter“ nur um eine Art „neurotischer Aura“ gewöhnlicher Neurotiker handeln, bespricht Glover die bisherige Literatur der psychoanalytischen Charakterologie. Aus ihr ergibt sich, daß die neurotischen Charakterzüge Übertreibungen oder Verzerrungen von Eindrücken darstellen, die von den frühen libidinösen Organisationsstufen im Ich zurückgeblieben sind. Der Beginn der charakterlichen Abweichungen fällt in die Zeit des Ödipuskomplexes. An den Fällen von Glover ließ sich leicht demonstrieren, daß die Kranken von prägenitalen Regungen und Kastrationsangst beherrscht waren.
Während der Psychotiker mit der versagenden Außenwelt vollkommen bricht, um sich selbstherrlich eine neue Realität aufzubauen, der Neurotiker wenigstens auf die reale Befriedigung verzichtet und sein Trieb nur autoplastisch zu wirken vermag, nützt der neurotische Charakter die soziale Situation zur