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In seinem Aufsatze über „infantile Sexualtheorien“1 spricht Freud über die Differenz zwischen den mehr rationalisierten und sekundär bearbeiteten Theorien der Pubertät und denen der frühen Kindheit. Diese sind zur Zeit der Pubertät längst verdrängt, sind viel grotesker als die Auffassungen aus späterer Zeit, und enthalten — wie Freud sagt — immer ein Stück Wahrheit im Sinne der infantilen prägenitalen Sensationen. Wenn das eigene Körperempfinden einen Zusammenhang zwischen den Problemen des Kinderkriegens und des Geschlechtsunterschiedes mit Grausamkeitsregungen und mit den Exkretionsfunktionen beweist, kann auch die Forschung keine andere Richtung einschlagen. Es ist bekannt, daß die Versuche, die schädlichen Folgen frühzeitiger, zum Scheitern verurteilter Sexualforschung dadurch zu vermeiden, daß man — nach Freuds Forderung2 — frühzeitig und natürlich „aufklärt“, oft fehlschlagen. Es gibt Kinder, die keine Aufklärung annehmen, nicht hinhören, wenn man sie gibt, oder sie rasch wieder vergessen; sie ziehen ihre Theorien der Wahrheit vor. Die Überlegung sagt, daß das prägenital orientierte Kind die genitale Realität innerlich noch nicht begreifen kann. Das würde nicht das affektive Weghören erklären. Hier muß also bereits eine Verdrängung vorliegen, deren Vorstellungsinhalt der Wahrheit näher kommt als die festgehaltene Theorie. Die Analyse lehrt, daß hier einmal eine Feindseligkeit gegen die Eltern sich zeigt, die sagt: „Ihr habt die Wahrheit bis jetzt nicht gesagt, nun will ich sie nicht hören“, resp. „Gibst du mir nicht volle sexuelle Befriedigung, so brauche ich nicht das Surrogat einer ‚Aufklärung‘“ (Patienten, die sich darüber beschweren, daß die Eltern ihnen die sexuelle Aufklärung vorenthalten hätten, meinen im Unbewußten die Verweigerung der sexuellen Befriedigung). Dann aber, daß verschiedene unbewußte Motive zur Ablehnung der sexuellen Wahrheit führen können. Neben der Sorge um die Möglichkeit der Geburt weiterer Geschwister steht da wohl ein Motiv durchau