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In der klinischen Psychoanalyse steht die Möglichkeit des gemeinsamen Studiums am Krankenbett nicht offen, ein Mangel, dem von Freud seinerzeit große Bedeutung beigemessen wurde. So entsprang vor fünf Jahren der Gedanke, ein Seminar für psychoanalytische Therapie zu gründen, dem dringenden Bedürfnis nach geeignetem Ersatz. Die Durchführung solcher gemeinsamen Arbeit begegnete anfangs großen Schwierigkeiten, von denen drei hervorgehoben seien:
Die begreifliche Scheu, vor größerem Forum begangene Fehler zu berichten oder nachgewiesene Fehler einzusehen. Und doch war von Anbeginn klar, daß man nur an den Mißerfolgen lernen kann.
Die Darstellungen der Krankheitsfälle waren entweder unzulänglich, oder sie verloren sich in langatmiger Schilderung von Details; eine Übersicht war nicht zu gewinnen. Die Kunst des analytisch-klinischen Referats mußte erst gelernt werden.
Die größte Schwierigkeit bereitete das Problem, wie der reiche und mannigfaltige Stoff, den jeder Fall bot, gewinnbringend aufgearbeitet werden konnte. Referate und Diskussionen waren systemlos, es gab zu viel zu besprechen, darunten litten die Resultate der Besprechungen.
Ein neuer Versuch, der im letzten Jahre unternommen wurde, diesen Schwierigkeiten planvoll zu begegnen, kann — dank den Erfahrungen, die in den verflossenen vier Jahren gesammelt wurden — als gelungen betrachtet werden, so daß dieser für die breitere Öffentlichkeit bestimmte Bericht gerechtfertigt erscheint.
Die Seminarsitzungen finden zweiwöchig einmal statt. Ständige Teilnehmer sind alle Schüler und Absolventen des Lehrinstituts. Der Besuch des Seminars ist obligatorisch, doch mußte niemand an die „Pflicht“ gemahnt