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Auf dem Spinozistenkongreß, der sich an die Gedächtnisfeier des 250. Todestages Spinozas am 21. bis 24. Februar im Haag anschloß, hielt unter anderen Sanitätsrat Dr. Wanke einen Vortrag über „Spinoza und die Psychoanalyse“. Nach einer kurzen Einleitung über das Wesen der Psychoanalyse verglich er deren Grundlehren, die er in knapper Form gebracht hatte, mit den betreffenden Lehrsätzen von Spinozas Ethik, wobei sich in ganz überraschender Weise eine Fülle charakteristischster Übereinstimmungen ergab, die durch Anwendung der psychoanalytischen Fachterminologie bei Übersetzung der lateinischen Lehrsätze Spinozas besonders frappierend war, ohne daß dadurch dem ursprünglichen Sinn ein neuer untergeschoben worden wäre. Besonders ertragreich für den Vergleich ist natürlich der dritte Teil der Ethik, der von den Leidenschaften handelt. Es sei hier nur ein kleiner Überblick geboten, zumal Dr. Wanke die Absicht hegt, das Thema selbst ausführlich in Buchform zu behandeln.
Einer der grundlegenden Gedanken Spinozas ist: Alles Geschehen, also auch das psychische, ist notwendig; der Wille ist nicht frei. Darum ist es möglich und zugleich notwendig, auch die psychischen Vorgänge zu begreifen. Man soll die Menschen nicht verlachen und nicht betrauern, sondern erkennen. Die Leidenschaften teilt Spinoza grundsätzlich in zwei Gruppen: in diejenigen, die die Schaffenskraft der Seele fördern, und in die, die sie hemmen. Ein Affekt kann durch einen anderen überstimmt werden (z. B. Ethica III, 38 et 44), mehrere Affekte können sich einander assoziieren; aus Anlaß ein und derselben Sache können verschiedene, einander entgegengesetzte Affekte in der Seele hervorgerufen werden (Ambivalenz; Eth. III, 14); alle Affekte aber können dadurch, daß sie und ihre Ursachen erkannt werden, als solche aufgehoben und vernichtet werden: beruht doch die Ohnmacht der Seele lediglich auf ihren falschen und inadäquaten, d. h. zum Teil unbewußten Vorstellungen. Auch die psychischen Tatsachen, die die Psychoanaly