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Hippokrates scheint diese „Biographie“ der Absicht des Verfassers zu verdanken, den modernen Ärzten ihre Fehler vorzuhalten. Wir müssen also die Arbeit als eine Streitschrift auffassen und den zwischen den Zeilen deutlich genug lesbaren Anregungen folgen, den Verfasser in der Titelrolle zu sehen. Dann dürfen wir allerdings ein gutes Stück weit mit dem Weisen einverstanden sein: Wo er die Engherzigkeit einer nur am kranken Organ orientierten Therapie geißelt, wo er die Mißachtung der ökonomischen Gesamtbedingungen durch eine zu mechanische Auffassung aufzeigt, wo er dem geschäftigen Polypragmatiker den hippokratischen Satz entgegenhält: „Auch gar nichts zu verschreiben ist zuweilen eine vortreffliche Arzenei“ und an manch anderer Stelle werden wir unsere Zustimmung nicht versagen. — Wir werden ganz besonders beistimmen, wenn auf das Erkennen der konstitutionellen Gegebenheiten besonders hingewiesen wird, wo doch unsere ganze Therapie im letzten Grunde darin besteht, die aktuellen Krankheitssymptome durch Einsicht in die in der Kindheit erworbene Disposition zu heilen. — Auch daß er die Vernachlässigung der Diätetik als Wissenschaft hervorhebt, liegt auf der Linie der unserer Zeit gebührenden Kritik, und was er endlich über die Medizin als Kunst sagt, wird manchem ganz besonders einleuchten.
Wenn aber z. B. steht: „Der (Atem-) Rhythmus erweitert höchstenfalls die Bezirke des Geistigen, Gefühlsmäßigen und Moralischen. Er macht fähig für den Sinn des Lebens, da dieser sich im Rhythmus birgt, und führt hinan, jedenfalls die Erlesenen, an den rhythmischen Sinn der Welt“, so scheint uns das, um mit den Worten des Verfassers zu reden, von dem „Dampf, der aus den Phrasenschalen gewerbsmäßiger Mystifikatoren den Leuten dargeboten wird“ und nicht „ein mathematisch-nüchternes an den Rhythmus herankommen“. Auf alle Fälle vermögen solche Worte nicht zu überzeugen, daß „Atemgymnastik eine der ungeheuersten Großtaten des ringenden Menschen“ ist.
Gerade solche Entgleisungen zeigen, wi