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Dieses Buch berührt an einigen Stellen Probleme, denen wir unsere Aufmerksamkeit nicht versagen dürfen: Prinzhorn ist der Ansicht, daß für gewisse Menschen eine rite durchgeführte psychoanalytische Behandlung nicht genüge, ja, daß sie ihnen schaden könne. Die Psychoanalyse reiche in ihrer Heilwirkung nur so weit, als „Symptome und Probleme anzeigen, daß sie (die Patienten) die ihnen gemäße Lebenspraxis nicht gefunden haben“. Aber da bestehe noch „ein metaphysisches Bedürfnis nach einer Einigung mit dem Weltganzen“, das nun allerdings ganz unabhängig sei „von der Lebenspraxis, wie sie sich nun gerade im Europa des XX. Jahrhunderts herausgebildet habe“, und jede tiefer greifende Analyse müsse in diese Schicht führen.
Die ausschließliche Anerkennung der Realität der Jetztzeit als versagende Instanz durch die Psychoanalyse genügt also Prinzhorn nicht. Es gibt — so glauben wir ihn zu verstehen — noch eine weitere psychische Instanz, — es ist offenbar unser Über-Ich, — der neben der Realität ein gestaltender Wert für das Ich zukommt. Diese Instanz sei genetisch unabhängig von der Libido sowie von der aktuellen Realität. Es wird nun die Forderung erhoben, sie — man könnte sagen — in ihrem ökonomischen Bestande wenigstens in ihren tieferen Schichten zu erhalten, da durch einseitige Zurückführung aller psychischen Erscheinungen auf Realitäts- und Libidoforderungen die Spannung gerade dieser Instanz leide, wodurch eine meist verkannte Art von psychischem Notstand, ein trostloser Relativismus, entstehen könne.
Gewiß könnten sich aus Überlegungen dieser Art (deren Kernprobleme übrigens von Ludwig Klages aufgeworfen worden sind) für uns Fragestellungen ergeben, deren Diskussion der Fruchtbarkeit nicht entbehren würde. Um so mehr ist es zu bedauern, daß dieses Buch sich damit begnügt, diese Ideen mit prometheischer Geste vorzutragen. Das wird die Findung einer gemeinsamen Diskussionsbasis sehr erschweren. Dazu kommt noch, daß Prinzhorn offenbar in der Psychoanalyse nicht genügend b