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Die vor kurzem erschienene Arbeit Freuds „Hemmung, Symptom und Angst“ weist uns wieder auf die große Bedeutung der Angst in der Psychologie der Neurosen hin und rückt das Angstproblem in den Vordergrund unseres Interesses. Das soll die Publikation der nachfolgenden kleinen Beobachtung rechtfertigen, die die ersten Ansätze einer Phobiebildung bei einem anderthalbjährigen Mädchen zum Inhalt hat.
Die kleine Lina ist geistig und körperlich vollkommen normal entwickelt, erfreut sich einer guten Gesundheit, spricht ziemlich verständlich und verfügt über einen Wortschatz, der für ihr Alter sogar etwas über das Gewöhnliche hinausgeht.
Zum erstenmal zeigte die Kleine Anzeichen von Angst, als sie eines Tages um 6 bis 7 Uhr abends sich in einem Winkel des großen Diwans in ihrem Zimmer versteckte, die Mutter zu sich rief und ihr mit gedrückter leiser Stimme sagte: „Mama, gib Linchen nicht weg, gib Linchen nicht weg!“ Das wiederholte sie viele Male hintereinander, indem sie sich an die Mutter klammerte, und zeigte dabei deutliche Zeichen von Unruhe und Angst. Durch eine Weile half weder Zureden noch Beruhigung; dann schlief sie endlich ein.
Die Angstanfälle wiederholten sich nun mehrere Tage hintereinander ungefähr zur selben Tageszeit, dann traten sie nicht nur abends, sondern auch am Tage auf, wobei das Kind unter Zeichen großer Angst mehrmals wiederholte: „Gib nicht Linchen weg, gib nicht Linchen weg!“ Die Angst steigerte sich, sobald jemand an die Tür klopfte. Dann ließ sich die Kleine von der Mutter oder dem Kindermädchen sofort auf den Schoß nehmen und äußerte: „Niemand da! Niemand da!“ Zugleich zeigte sie Angst vor dem dunklen Fenster abends, vor Kirchenglocken und vor den Automobilgeräuschen. Vor fremden Leuten hatte sie mit wenigen Ausnahmen keine Angst.