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Der Autor bemüht sich in dieser 50 Seiten starken Broschüre redlich, Ordnung in das verworrene Problem der Paranoia vom psychiatrisch-klassifikatorischen Standpunkt aus zu bringen, was ihm aber — ohne seine Schuld — nicht recht gelingen will. Man beendet die Lektüre verwirrter, als man sie begann. Die Ansichten von nicht weniger als 117 Autoren werden hier einander gegenübergestellt und kaum zwei Autoren sind sich über Grundsätzliches einig. Ein Referat ist einfach technisch unmöglich. Es wimmelt von weltfremdem psychiatrischem Jargon (S. 6): „Die Paranoia erscheint so als eine Ausdrucksform der Entartung, wobei nur oder doch ganz vorwiegend innere Ursachen maßgebend sind“; … „folgerichtige Entwicklung einer abnorm veranlagten Persönlichkeit“ … „Verirrung der Entwicklung bestimmter Degenerationsformen“ … „Mißentwicklung einer krankhaften Anlage“ … „natürliche Umwandlungen, denen eine psychische Mißbildung unter dem Einfluß der Lebensreize unterliegt“ … u. s. f.
Nicht daß diese 117 Forscher über die Paranoia so wenig Wesentliches sagen konnten, sondern daß man glaubt, mit Begriffen wie „Verschiebung der seelischen Gleichgewichtsverhältnisse“, „Mißbildung“, „innere Ursachen“, „psychogen usw. reale Tatbestände zu treffen, ist das Tragische an der offiziellen Psychiatrie. Freilich bewundern wir das Kunststück — wenn wir es auch begreifen —, für die Annahme Freuds von verdrängter Homosexualität bei der Paranoia „keinen Anhaltspunkt“ (S. 42) zu finden.
W. Reich (Wien)