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Dieses Buch hat viel Mühe und Fleiß gekostet und zeugt von einer ungeheuren psychiatrisch-forensischen Erfahrung auf dem Gebiete des Verbrechertums. Allerdings, der Analytiker kann sich weder mit der Art und Weise der Betrachtung noch mit den inhaltlichen Ergebnissen einverstanden erklären. Die Untersuchung läßt alle neuen Gesichtspunkte vermissen, die die Psychoanalyse zum Thema „Psychopathie“ eröffnet hat, die analytische Situation ist gar nicht berücksichtigt. Das wäre ja noch nicht arg, wenn die psychiatrische Methode auch nur einiges zum Problem beitragen könnte. Aber auch dieses Buch steckt in der Sackgasse des Aberglaubens von der „Entartung“, es ruht auf diesem Fundament, von dem der Autor selbst sagt, daß es noch unentschieden sei, was der Begriff wissenschaftlich bedeute.
Man darf nach 30 Jahren psychoanalytischer Forschung fordern, daß, wer mit Menschen zu tun hat, auch ihre Kinderstube betrachte und nicht, ohne sich vorerst umgesehen zu haben, einfach behaupte, daß die „genetische Zurückverfolgung“ der Psychopathien „sogleich aus dem rein psychopatho-logischen Gebiet hinaus zu biologischen Zusammenhängen hin“ führt.
Hat der Autor auch nur einen Psychopathen nach seinen frühen Erlebnissen im Elternhause gefragt? Und wenn, welche Bedeutung mißt er den Traumen zu, die jeder Psychopath erlebt hat? Um diese festzustellen, bedarf es nicht einmal einer Analyse.