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Herr Präsident, meine Damen und Herren !
Gestatten Sie, daß ich Ihnen zuerst für die Ehre danke, die Sie mir, erwiesen, als Sie mich aufforderten, den einleitenden Vortrag in der Jahressitzung Ihrer erlesenen Gesellschaft zu halten. Ich nehme sie weniger als Ehrung für meine Person denn als Ehrung für die Psychoanalyse. Der Umstand, daß ich vor siebzehn Jahren mit Professor Freud zusammen in diesem Lande weilen durfte, ermöglicht mir einen Vergleich zwischen dem Zustand der Psychoanalyse im Jahre 1909 mit dem heutigen in Amerika wie in Europa. Außer dem wohlwollenden Interesse zweier großer amerikanischer Gelehrten, Dr. Stanley Hall und Dr. J.J. Putnam, wurde die Freudsche Methode nur von einer einzigen Person in Amerika vertreten, von Dr. A. A. Brill. Damals stand es in Europa allerdings nicht sehr viel besser. Wir waren nur eine Handvoll über die Welt verstreuter Pioniere, Generale ohne eine Armee; aber wir waren doch voller Hoffnung und voller Optimismus am Werke. Unser großer Reichtum an Hoffnung in jenen Tagen erinnert mich an die alte Anekdote vom Bettler, der seinen Besitz unter seine Söhne verteilt. Dem ersten sagt er „Du darfst in Deutschland betteln“, dem zweiten „Du bekommst Ungarn“, dem dritten weist er die Schweiz und dem vierten Amerika zu. Seither haben wir an Ansehen freilich gewaltig gewonnen und können uns einer ganzen Armee von psychoanalytisch interessierten Anhängern sowohl in Ihrem Lande als in Europa rühmen. — Diese Armee ist in Amerika anscheinend zahlreicher als in Europa, wenigstens finde ich das Interesse für Psychoanalyse bei analytisch nicht vorgebildeten Personen hier verbreiteter. Wenn ich dies begründen müßte, so wäre ich versucht, zu sagen,