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Meine Damen und Herren ! Was unser Forschungsmaterial, die leidenden Menschen, unter das Mikroskop unserer psychoanalytischen Beobachtung bringt, ist ihr Leiden. Die Freude, die Lust, das Bejahende im Seelenleben sehen wir erst als Resultat unserer therapeutischen Bemühungen entstehen, erfahren so, welche Wege zur Erreichung dieses Zustandes geführt haben, und entziehen dem Menschen unser berufliches Interesse im Augenblick, da dieses Ziel erreicht ist. Die Fragestellung dieses Vortrages ist nicht der Spekulation zugewendet: wie wird der Mensch des Glückes teilhaftig, und nicht den Betrachtungen über die Frage: Kann die Psychoanalyse zur Beglückung der Menschheit beitragen ? Es soll hier versucht werden, unsere Denkweise auf die normalen psychischen Vorgänge anzuwenden, u. zw. auf jenen Teil dieser Vorgänge, an deren Schwelle die direkte analytische Beobachtung ihr Ende zu nehmen pflegt. Das sind jene, die im erlebenden Individuum ein Zustandsbild hervorrufen, das von ihm selbst als Glücksgefühl empfunden wird. Die Definition meines Themas entlehne ich somit der phänomenologischen Betrachtungsweise.
Im Rahmen der üblichen Einteilung der seelischen Normalzustände in Lust- und Unlusterlebnisse lassen sich alle positiv gefärbten Gefühle einheitlich unterbringen. Befriedigung, Freude, Genuß, kurz, alles das, was als Reaktion auf äußere s. g. freudige Ereignisse eintritt und somit einen reaktiven Charakter hat, geht zwar mit einer inneren Bereitschaft des empfangenden Ich einher, ist jedoch von dem, was wir hier Glücksgefühl genannt wissen wollen, weitgehend unterscheidbar. Es handelt sich dabei nicht um quantitative Unterschiede qualitativ identischer Vorgänge, sondern um seelische Zustände, die wohl auch dem Lust-Unlustprinzip unterworfen, psychologisch aber deutlich unterschieden sind.