You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Meine Damen und Herren !
Die Einsichten der Psychoanalyse in das Krankheitsbild der Melancholie knüpfen sich an die Forschungen Freuds und Abrahams. Abraham hatte als erster sein Interesse diesem Gegenstand zugewandt. Er sprach bereits 1911 den Satz aus [1], daß die Melancholie eine der Trauer vergleichbare Reaktion auf den Liebes- (Objekt-) Verlust darstellt. Einige Jahre später tat Freud [2], nachdem er inzwischen das Gebiet des Narzißmus für seine Untersuchungen erschlossen hatte, zur analytischen Aufhellung der Melancholie den entscheidenden Schritt. Er erkannte, daß in der Melancholie das aufgegebene Objekt im Ich wieder aufgerichtet wird und der Kranke auf diese Weise in seinen Selbstvorwürfen die Aggression gegen das Objekt fortsetzt. Als nächste Voraussetzung dieses Vorganges hob er die Regression von der Objektbeziehung auf deren narzißtischen Ersatz hervor, ferner die Vorherrschaft der Ambivalenz, welche an die Stelle der Liebe den Haß und die orale Einverleibung rückt. In einer späteren Schrift [3] fügte Freud dieser Auffassung die Bemerkung hinzu, die Grausamkeit des Über-Ichs in der Melancholie sei eine Folge der Triebentmischung, die mit dem Akt der Identifizierung einhergehe. 1923 erfolgte dann eine zweite umfassende Veröffentlichung Abrahams über die Melancholie [4]. Er konnte an einer Reihe vortrefflicher Einzelbeobachtungen die Ergebnisse Freuds in alten Punkten bestätigen und ergänzte dieselben durch mehrere bedeutsame klinische Funde. Er betonte die durch Ambivalenz bedingte Liebesunfähigkeit der Kranken, zeigte die Bedeutung kannibalischer und analer Triebimpulse für ihre seelischen Produktionen und deckte in ihrer Kindheitsgeschichte eine „Urverstimmung“ auf, die sie auf der Höhe der