You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Am Dienstag, den 2. August 1927, starb nach kurzem Krankenlager an den Folgen eines Schlaganfalles mit 66 Jahren der Senior der Berliner Gruppe der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, Sanitätsrat Dr. Heinrich Koerber. Sein Name ist mit der Gründung der Berliner Gruppe aufs engste verknüpft, er gehört zu dem kleinen Kreise derer, die zuerst in Berlin regelmäßig zusammen kamen, um ihre psychoanalytischen Erfahrungen auszutauschen. Wer Koerber näher kannte, hat sich dem Zauber seiner feinen, menschlichen und gütigen Persönlichkeit nicht entziehen können. Er hatte bis noch in die letzten Jahre hinein, wo Alterserscheinungen ihre Schatten auf ihn warfen und ihn oft still und müde erscheinen ließen, etwas jugendlich Sieghaftes in seinem Wesen, hatte eine nie versagende Bereitschaft, sich Neuem zu erschließen. Dieser Bereitschaft verdankte er es auch, daß er zu einer Zeit, wo im Gegensatz zu jetzt die Psychoanalyse nur von wenigen nicht verlästert wurde, sogleich voll ihre Bedeutung erfaßte und sich ihrem Studium mit Eifer widmete, 1991 war der Vierzigjährige, nachdem er bald nach seinem Staatsexamen (1886) von 1888 bis 1895, also sieben Jahre, Landarzt in einem schlesischen Dorf gewesen war und darauf in Breslau weitere sechs Jahre Allgemeinpraxis getrieben hatte, nach Berlin gekommen, hatte dort durch Juliusburger die junge Psychotherapie, die Hypnose, kennen gelernt und, stark beeindruckt durch die therapeutischen Möglichkeiten, die durch eine seelische Beeinflussung gegeben schienen, sich sogleich von seiner bisherigen ärztlichen Tätigkeit auf einen neuen, ebenso unsicheren wie verheißungsvollen Weg begeben. Bald aber, auch durch seinen Freund Juliusburger vermittelt, kam er mit der Psychoanalyse in Berührung und ist ihr von da an nicht nur treu geblieben, sondern ist Jahr für Jahr durch Wort und Schrift vor gelehrtem wie vor ungelehrtem Publikum für sie eingetreten. Er verstand es u. a. vorzüglich, die Grundpositionen der psychoanalytischen Wissenschaft in