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Psychoanalyse“, — das kann zweierlei bedeuten. Einmal ist Psychoanalyse eine Heilmethode, dann ist es eine auf den bei Ausübung dieser Heilmethode gemachten Erfahrungen beruhende Wissenschaft. Es ist ein Irrtum zu glauben, die Psychoanalytiker wären auf die erstere „eingeschworen“; sie haben nie geleugnet, daß es Neurosen und Neurotiker gibt, denen auf diese Weise nicht
beizukommen ist, sei es, daß Alter, Intelligenz, Bildungsstufe der Patienten eine Kontraindikation bedeuten, sei es, daß bei infantilistischen Personen oder solchen ohne Krankheitseinsicht erst eine Vorbehandlung die Analysierbarkeit herstellen muß, sei es, daß ein lebensbedrohendes Symptom sofortige Abhilfe verlangt oder ein unwichtiges es unratsam erscheinen läßt, gleich den gewaltigen Apparat der Analyse in Gang zu setzen. Alle solchen Fälle bleiben die Domäne der nichtanalytischen Psychotherapien. — Worauf die Psychoanalytiker „eingeschworen“ sind, d. h. was sie bei aller Erkenntnis der Unzulänglichkeit und Verbesserungsbedürftigkeit für den besten und heute richtigsten Ausdruck unseres Wissens von der menschlichen Seele halten, das ist nur die „Psychoanalyse“ im zweiten Sinn, nicht die Heilmethode, sondern die Wissenschaft. Sie hat die früheren Anschauungen vom seelischen Apparat gründlich geändert und stellt zum erstenmal eine naturwissenschaftliche Psychologie dar, die das Unbewußte in gebührender Weise berücksichtigt. Gilt es, seelische Vorgänge irgendwelcher Art wissenschaftlich zu erfassen, so muß es mit Hilfe dieser psychoanalytischen Theorie geschehen. — Daß also nichtanalytische Psychotherapien berechtigt sind, ist selbstverständlich. Wenn aber etwa Hypnotiseure, Individualpsychologen, Psychagogen aus ihren Methoden ebenso hypnotische, individualpsychologische, psychagogische Psychologien ableiten wollen wie der Psychoanalytiker eine psychoanalytische Psychologie, so muß dem scharf widersprochen werden. Vielmehr ist die theoretische Beschreibung dessen, was in den nichtanalytischen The