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In dieser Arbeit wird über Experimente berichtet, die angestellt wurden, um die Auswirkung aktueller bedürfnisartiger Spannungen auf gewisse Gedächtnisleistungen zu erforschen. Es soll untersucht werden: Wie verhält sich die Erinnerung an Handlungen, die vor Beendigung unterbochen worden sind, zum Behalten beendeter Handlungen? Die Ergebnisse zeigen: Unerledigte Handlungen werden besser behalten. Die Erklärung dieses Fundes wird darin gesucht, daß bei der Instruktion, die Arbeit auszuführen, ein gespanntes System, ein „Quasibedürfnis“ entsteht, das nach Entspannung tendiert. Die bedürfnisartige Spannung wirkt nicht nur unmittelbar in der Richtung der Erledigung der Aufgaben, sondern hat auch eine Begünstigung der späteren Reproduktion zur Folge. Die Reproduktion spielt hier die Rolle eines Indikators für die bedürfnisartige Spannung, der Reproduktionsvorgang bedeutet eine Entladung der Spannung.
Es zeigt sich, daß besonders schwere Aufgaben, auch wenn ihre Ausführung unterbrochen wurde, häufig vergessen werden. Kinder drängen zur Wiederaufnahme unerledigter Handlungen. Das mit der Übernahme der Instruktion entstandene „Quasibedürfnis“ scheint bei ihnen eine größere Durchschlagskraft zu haben, wohl deshalb, weil ihre Bedürfnisse auch sonst ungebrochener sind.
Was diese Arbeit bemerkenswert macht, ist das sorgfältige Eingehen auf die ganze psychische Situation, eine Eigenschaft, der man sonst im experimentellpsychologischen Betrieb nicht eben häufig begegnet. Man spürt vielfach, zumal in der Formulierung dynamischer Zusammenhänge, Verwandtschaft mit dem Geiste der Psychoanalyse.
Gerö (Wien)