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Alexanders Buch ist ein großzügiger Versuch, Freuds Strukturtheorie der seelischen Organisation auf die Neurosenlehre anzuwenden. Es bemüht sich zu zeigen, daß es mit Hilfe dieser Theorie möglich ist, die Phänomene der Neurosen einheitlicher zu erfassen und übersichtlicher zu beschreiben, über bisher ungeklärte Einzelheiten Licht zu verbreiten und dadurch auch die Arbeit des Therapeuten zu erleichtern. Seine Darstellung will nur eine einzige „prinzipielle Ergänzung zum Neurosenproblem“ (S. 6) vornehmen, nämlich die Auffassung, daß das Ich sich in jedem Falle von Neurose nicht nur mit Triebansprüchen des Es, sondern auch mit Strafforderungen des Über-Ichs auseinandersetzen müsse, und daß gerade diese Zweifrontentätigkeit des Ichs das Wesentliche der Neurose ausmache. Alexander meint, daß Freuds Auffassung von der prinzipiellen Bedeutsamkeit der Selbstbestrafungsmechanismen für die Melancholie, den „moralischen Masochismus“, das „Verbrechen aus Schuldgefühl“ und für die zweizeitigen Zwangssymptome auch „ausnahmslos für jede Neurose anwendbar“ (S. 129) sei: Der Triebbefriedigung folgt die Strafbefriedigung, aber auch der Strafbefriedigung die Triebbefriedigung. Das Ich benutzt die Strafbefriedigung, um sich von einem Anspruch des Über-Ichs zu befreien und dem Es —wenigstens partiell — nachgeben zu können. Kranksein, „Leiden“ ist die notwendige Begleiterscheinung jeder Neurose; der entstellte Durchbruch des Verdrängten in Form der Symptome wird nicht allein durch die Verhüllung des Sinnes, — die Zensur erkennt ja die verpönten Triebregungen trotz der Verhüllungen, — sondern durch das Nachlassen der verdrängenden Kräfte ermöglicht, das durch das gleichzeitige Leiden erkauft wird. Dieses Nachlassen der verdrängenden Kräfte wirkt im gleichen Sinne neurosenfördernd wie der Kräftezuwachs der verdrängten Kräfte, die Libidostauung.
Über diese neurosenfördernde Rolle des Über-Ichs entwickelt Alexander folgende Anschauungen. Das Über-Ieh ist zwar theoretisch mit der verdrängenden