You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In der analytischen Behandlung verstehen es die Patienten verschiedentlich, Widerstände gegen die Deutung ihrer Träume zu mobilisieren und dadurch die Verwertung der Träume für die Kur, manchmal lange Strecken hindurch, unmöglich zu machen. Wir verzichten bekanntlich, Freuds1 Rat folgend, in solcher Situation auf das direkte Zusammenarbeiten mit dem Träumer, indem wir die Traumdeutung vernachlässigen und auf anderen Wegen für den Fortschritt der Analyse sorgen. So verfuhr ich selbst in der Analyse des jungen Mannes, bei dem ich plötzlich erraten konnte, daß ihm die Träume und die Deutungsarbeit an den Träumen mit dem nutzlosen und langweiligen Beten der Kinderjahre gleichwertig wurden.2 Weitere, eindringlichere Beobachtung zeigte mir, daß man wohl einen solchen Widerstand häufiger als Wiederholung früherer Einstellungen erkennen und deuten kann, die als Reaktionen auf die kindlichen Konflikte im Bereich der höheren geistigen Tätigkeit entstanden sind. Ich erlebte es z. B. in noch einer Analyse, daß die Träume und die dazugehörigen Einfälle mit den täglichen Gebeten gleichgesetzt wurden, konnte dann aber den so auftretenden Übertragungswiderstand auf ganz alte religiöse Konflikte zurückführen und so auch beherrschen. Dieses Mal kannte ich bereits das konsequentere technische Vorgehen gegen derartige Widerstandsformen aus der Behandlung eines hier ausführlich zu schildernden Falles, bei dem eine analoge Schwierigkeit sehr eindrucksvoll und anscheinend restlos aufgelöst wurde.
Eine Patientin, die seit jeher als phantasie- und poesiebegabt galt, setzte in ihrer Analyse die Traummaterialien mit der Phantasieproduktion der Kindheit (bzw. Jugendzeit) gleich und wiederholte in der Übertragung die narzißtischen Kränkungen, denen sie ob jener Veranlagung ausgesetzt war. Sie berichtete entweder so lange Träume, daß auch die Benützung einer vollen Stunde ihren Sinn nicht entnehmen ließ, oder ihre Einfälle flossen, bei kürzeren Träumen, so spärlich, daß eine