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Gerade der Psychoanalytiker kann bei seiner Arbeit eine Sexualbiologie brauchen, die weder Umfang und Detailreichtum eines spezialwissenschaftlichen Werkes, etwa des ausgezeichneten Buches von Meisenheimer, noch in popularisierender Absicht allzu starke Schematisierungen, wenn nicht Verfälschungen der Tatsachen aufweist. Deshalb wird er sich über das vorliegende, von W. Gutmann nach dem Tode des Verfassers herausgegebene Buch freuen. Man muß zwar zugeben, daß an einzelnen Stellen die Durchführung bestimmter, „ordnender“ Ideen den realen Komplikationen etwas Gewalt anzutun scheinen, — Kammerer selbst kennt diese seine Gefahr sehr genau: Er sagt, er lasse Einzelheiten weg, „die der Wirklichkeit ihre Übersichtlichkeit rauben, die aber zugleich, nun sie fehlen, der Darstellung einen entsprechenden Teil ihrer Gültigkeit nehmen“ (S. 3), — und daß gelegentlich eingestreute soziologische oder gar ethische Bemerkungen von erstaunlicher Naivität sind, da z. B. die Sexualverhältnisse des Menschen so behandelt werden, als ob sie vom biologischen Gesichtspunkt aus voll erfaßbar wären. Trotzdem bleibt das Buch eine sehr angenehme und belehrende Lektüre, die einen immer wieder staunen macht über die sexualphysiologische Mannigfaltigkeit im Tier- und Pflanzenreiche. Man bedauert das allzu frühe Hinscheiden des begabten und ideenreichen Forschers, über dessen Persönlichkeit eine kleine Einleitung, die Gutmann dem Buche vorausschickt, ein anschauliches Bild gibt. Fenichel (Berlin)