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Der Autor geht von einer recht originellen Idee aus: Er stellt zunächst fest, daß ja das eigentliche Ehemotiv die Geschlechtsliebe sei; „ist ohne sie eine Ehe im vollen Sinne nicht möglich, so bildet sie andererseits in der Ehe das gefährliche und ‚unberechenbare‘ Element, und Ihre Anwesenheit macht geradezu die Ehegemeinschaft zu einer andauernd problematischen Angelegenheit“ (S. 6). „Das charakteristische Ehemotiv ist also in sich gegensätzlich, widerspruchsvoll“ (S. 18). Das zentrale Eheproblem bestehe darin, „daß die Geschlechtsliebe der charakteristische Beweggrund zur Ehe ist, daß sie aber nicht Traggrund einer als Lebensgemeinschaft aufgefaßten Ehe sein kann, ja im Gegenteil eine solche Gemeinschaft ständig zu stören geeignet ist … Man muß darum wohl von einer inneren Tragik der Ehe sprechen“. Im Gegensatze zu den Autoren, die für die Erotisierung der Ehe eintreten, meint der Autor, daß „die Ehe selber, sofern sie auf der geschlechtsbestimmten Liebe sich aufbaut, eine in sich problematische, d. h. zweideutige Sache ist“ (S. 18). Von der Ehedefinition Kants ausgehend, daß die Ehe eine Verbindung zweier Personen verschiedenen Geschlechts zu lebenswierigem, wechselseitigem Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften sei, kommt der Autor zum richtigen Schluß, daß die Ehe, wenn sie nichts anderes sein kann, als eine in sich korrupte Institution zu bezeichnen wäre. „Der Vertrag bedeutete doch eine Art gegenseitigen Verkaufs eines Stückes persönlichsten Lebens“ (S. 7). Soweit können wir dem Autor folgen nnd warten gespannt auf den Schluß, den er aus diesen Feststellungen zieht. Lösung der Ehe, die ihren Sinn verloren hat? Trennung der wirtschaftlichen und der geschlechtlichen Interessen? Nein: „Die Ehe als Lebensgemeinschaft ist zu verwirklichen trotz der Geschlechtsliebe, die mit ihr verbunden ist. Schon die klare Erkenntnis (das ist keine Erkenntnis, sondern eine Forderung. D. Ref.) dieser Aufgabe ist ein großer Gewinn. Sie befreit uns von der gefährlichen Illusion, als