You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Mensch ist in doppeltem Sinne eine Einheit: als Inbegriff hierarchisch übereinandergeordneter psychophysischer Funktionen und als geistiges Wesen, als Individuum. Die Idee der Psychotherapie heißt den ganzen Menschen zu untersuchen und dem ganzen Menschen zu helfen. Im ärztlichen Handeln wird diese Idee dadurch realisiert, daß die Untersuchung des kranken Menschen etappenweise, durch Anwendung verschiedener Methoden, physikalischer, psychophysiologischer und schließlich lebensgeschichtlicher, vor sich geht. Kern und Grundlage der Psychotherapie ist die systematische Vertiefung in die innere Lebensgeschichte des kranken Menschen, ihre theoretische Rekonstruktion und praktische Reproduktion. Die historische Methode bedeutet für den Psychotherapeuten ein immanentes Prinzip der Orientierung, vor allem auch hinsichtlich der Indikation des psychotherapeutischen Eingriffes. Von allen psychotherapeutischen Richtungen hat die Psychoanalyse die Vertiefung in die Lebensgeschichte am weitesten ausgebaut. Hier ist ihr ungeheurer Vorsprung. Die Indikation der Psychotherapie hängt von der richtigen Abschätzung der ätiologischen Faktoren ab, auf denen in einem konkreten Fall der Schwerpunkt liegt.
Die Psychoanalyse ist vor allem angebracht bei komplizierten phobischen, hysterischen und zwangsneurotischen Syndromen. Bei endogenen Depressionen kann die Psychoanalyse nur auf den lebensgeschichtlichen Anteil einer Depression wirken, was in manchen Fällen immerhin die Höhe der Depression