You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vortrag in der „New York Psycho‐Analytical‐Society“ am 24. April 1928
Aus dem englischen Manuskript übersetzt von Rose Hilferding
Es gibt Schizophrenien, die in ausgesprochenem Zusammenhang mit der Entbindung stehen. Diese Schizophrenien entwickeln sich sehr langsam, zuweilen sogar außerordentlich schleichend, so daß der ätiologische Zusammenhang zwischen der Entbindung und der Psychose nicht selten durch eine Reihe zufälliger Faktoren verdeckt ist und daher übersehen werden kann.
Solche Schizophrenien kommen nur selten in die Behandlung von Psychoanalytikern; gewöhnlich findet man sie in Anstalten unter der Diagnose „Paranoider Zustand“ oder „Dementia praecox“ oder gar „Toxische Erschöpfungspsychose“.
Die psychoanalytische Deutung dieser Psychosen bietet eine Reihe methodologischer Schwierigkeiten. Die Anamnesen, die man gewöhnlich von Freunden oder Angehörigen, gelegentlich vom Geburtshelfer zu hören bekommt, sind nicht vollständig genug, außerdem sind diese sogenannten „objektiven Anamnesen“ von der Subjektivität des Berichterstatters gefärbt und die inneren Vorgänge in der Patientin selbst bleiben unbekannt; die Patientin ist, wenn überhaupt zugänglich, gleich den meisten Schizophrenen bezüglich der wichtigsten seelischen Details zurückhaltend und verschlossen, so daß auch ihre eigenen Äußerungen nichts unmittelbar Verständliches über die innere Natur ihres psychischen Konfliktes aussagen, sondern nur Hinweise auf die Vorgänge in den tieferen Schichten ihrer Persönlichkeit geben können. Mit anderen Worten: Wenn wir eine Deutung solcher Psychosen versuchen, so arbeiten wir nicht mit dem sehr beweiskräftigen einwandfreien Material einer regulären und vollständigen Analyse, sondern sind auf bloße Folgerungen angewiesen. Die nachfolgenden Betrachtungen sind daher nur Beispiele und Vermutungen, keine endgültigen,