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Eine an einem Tic und an Zwangssymptomen leidende Patientin, eine junge Studentin, berichtet von einem ersten Zwangsimpuls aus dem siebenten Lebensjahre: Sie fühlte beim Lesen der Biblischen Geschichte den unwiderstehlichen Zwang, ein Blatt des Buches zu zerreißen, dem sie auch nachgab. Auf diesem Blatte stand, sagte sie, „die Geschichte von Josef und der Frau des Bonifazius“. Als ich sie darauf aufmerksam machte, daß der Name unrichtig sei, konnte sie sich des richtigen nicht entsinnen. Später fügte sie hinzu, daß die Geschichte der Verführung eigentlich hätte umgekehrt sein müssen. In diesem Zusammenhang erzählte sie auch, daß sie einmal nachts das lebhafte Gefühl gehabt hätte, daß ein riesengroßer Mann neben ihr liege, daß sich aber trotz der dichten Nähe eine große Kluft zwischen ihnen befinde. Sie erinnerte sich auch, daß sie — ebenfalls ungefähr mit sieben Jahren — im Fieber merkwürdige Angstsensationen gehabt hatte: Die Bilder an den Wänden schienen weit entfernt zu sein, auch Mutter und Vater schienen ihr sehr weit entfernt. Einmal, als sie masernkrank war, rief sie ihren Eltern zu: „Ihr seid zu weit entfernt, ich kann nicht zu euch kommen.“ Gleichzeitig klangen die Stimmen der anderen überlaut.
Schon in diesen Einzelheiten schimmern Ödipuskomplex und Urszene durch: Die Patientin identifiziert sich mit der verführenden Frau, hat schon Schuldgefühle (darum der Zwang, das Blatt zu zerreißen), und in ihren Fieberphantasien fühlt sie ihre Einsamkeit neben den sich von ihr entfernenden Eltern und hat dabei Angst.
Ich will gleich hier einige weitere Symptome nennen, in denen sich bei der Patientin im gewöhnlichen Leben außerhalb der Analyse, zum Teil schon vor der eigentlichen Krankheit, die Folgen der Urszene zeigten.
Die Patientin erzählt, daß sie im zwölften Lebensjahre beim Beerensuchen im Walde mit ihrer Mutter zum erstenmal eine Schlange erblickte.