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Es braucht an diesem Orte nicht auseinandergesetzt zu werden, daß die Mehrzahl psychoanalytischer Tatsachenfindungen und Prinzipienklärungen langwierige Einzelbearbeitungen eines nach Möglichkeit umfassenden Materiales
zur unerläßlichen Voraussetzung haben. Gelegentlich aber läßt eine Einzelbeobachtung bestimmte, prinzipiell wichtige Punkte mit einer so unausweichlichen Deutlichkeit erkennen, daß ihre Veröffentlichung auch neben der Bearbeitung größerer Zusammenhänge berechtigt erscheint.
Eine solche Beobachtung soll hier kurz mitgeteilt sein. Es handelt sich um ein jetzt vierzehnjähriges, in geringem Grade manifest‐neurotisches Mädchen, dessen Mutter einer Depression wegen seit zwölf Monaten in analytischer Bearbeitung steht. Die Kleine hat zwei ältere, unauffällige Schwestern; ein ältester Bruder ist vor längerer Zeit verstorben, von den Kinder‐, Jugend‐ und Eheschicksalen, die der Neurose der Mutter zugrunde liegen, blieb sie nachweislich direkt unberührt. Gesundheitlich nahm sie schon bei der Geburt eine seltene Sonderstellung ein, indem sie mit einem angeborenen absoluten Pylorospasmus zur Welt kam, der jede Nahrungsaufnahme unmöglich machte. Mit dreieinhalb Wochen wurde sie operiert und gelangte mit vier Wochen zu normaler Nahrungsaufnahme, gutem Gewichtsgewinn und störungsfreier körperlicher Entwicklung. Die Nahrungsaufnahme wurde niemals eingeschränkt. Um so mehr fiel es der durch jahrelange Fürsorgetätigkeit und durch Beobachtungen an den älteren Kindern erfahrenen Mutter auf, daß bei sehr zeitigem Beginn geordneten Sprechens mit etwa 18 bis 20 Monaten das Kind deutlich ängstliche Unruhe zeigte und von „Hunger“ sprach. Im dritten Lebensjahr zeigte sie plötzlich eine unerklärliche Verstimmung und sagte: „Gute Muttis dürfen ihre Kinder nicht hungern lassen.“ Es ist im weiteren Lebensverlauf eine durch zahlreiche Beobachtungen an diesem Kinde gesicherte Erfahrung, daß das gut essende und wohlgenährte Kind auf jede Störung des Wohlbefindens stereotyp mit einer