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Man wird als Vertreter der Psychoanalyse nicht selten in die Lage versetzt, sein Wissen an Fällen zu erproben, die zunächst nicht leicht in eine der geläufigen Kategorien eingereiht werden können. Abgesehen davon, daß die Erfahrung uns immer wieder mahnt, die Systematik der Neurosenformen nicht allzu starr zu nehmen, sind wir des öftern gezwungen, mit der Diagnose zu warten, bis wir das Erscheinungsbild einer Krankheit näher studiert haben. Das ist durchaus kein Mangel, den man uns vorwerfen kann; bezeugen doch selbst gewiegte Psychiater, daß sie in gewissen Fällen meist erst durch den Verlauf der Seelenstörung über deren Wesen Aufschluß erhalten.
Der zu Bericht stehende Fall betrifft einen 27jährigen Mann, dessen Neurose unmittelbar vor Abschluß seiner akademischen Studien ausbrach. Die Entwicklung des Leidens war, von geringen Vorsymptomen abgesehen, eine ziemlich rasche gewesen. Es machten sich abwechselnd Verstimmtheit und Aufregung bemerkbar, denen sich zeitweise Schlafunruhe und Herzklopfen anschlossen. Alsbald begann er zu klagen, daß er nicht weiterstudieren könne, weil er den Lernstoff nicht behalten könne; er werde darum am Termin der letzten Prüfung noch nicht vorbereitet sein. Spät sei er zu der Einsicht gelangt, daß er seinen Beruf verfehlt habe. Diese andauernden und oft maßlosen Selbstanklagen hinderten ihn keineswegs, die Vorbereitungen zum abschließenden Examen, wenn auch mit Stockungen, fortzusetzen. Es liegt auf