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In dem Nachruf, den Simmel als Vorsitzender der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft in einer Sitzung dieser Gesellschaft auf den verstorbenen San.‐Rat Wanke (Friedrichroda) hielt, wies er darauf hin, daß mit dem Tode Wankes ein Außenposten der Psychoanalyse verwaist sei, dessen Verlust außerordentlich bedauerlich sei. Die Psychoanalyse habe nicht viel derartige Außenposten, müsse aber auf ihre Vermehrung bedacht sein.
Dies gibt mir Veranlassung, von meinen Erfahrungen aus meinem Tätigkeitsgebiet, dem des Fürsorgearztes, soweit sie mit der Psychoanalyse zusammenhängen, kurz zu berichten. In der Mittelstadt von etwa 23.000 Einwohnern, deren einziger beamteter Fürsorgearzt ich als Stadtarzt bin, liegen mir alle Zweige der Fürsorge ob, die in größeren Städten von besonderen Fachleuten wahrgenommen werden. Ich habe daher nicht die Zeit, regelrechte Analysen zu machen; was ich aber kann, ist, zu versuchen, meine ganze Tätigkeit psychoanalytisch zu orientieren. Aus der Fülle der Gesichtspunkte, die sich dabei ergeben, kann ich nur einzelne als Beispiele herausgreifen.
In der Säuglingsfürsorge steht ein reichhaltiges Beobachtungsmaterial an normalen und „nervösen“ Kindern zur Verfügung, an dem man alles bestätigt finden kann, was die Psychoanalyse über die psychischen Verhältnisse beim Säugling ausgesagt hat. Es ist oft nicht zu übersehen, erschließt sich uns aber auch sonst leichter, da die Mütter wissen, daß sie uns mit allen Nöten und Schwierigkeiten kommen dürfen. Die Fragen der Onanie, der Stellung der Geschwister zueinander mit ihrer Eifersucht, der „Unarten“ auf polymorphperverser Grundlage müssen oftmals besprochen werden, und das geschieht natürlich auf dem Boden der Psychoanalyse. Ich sage „wir“ und schließe damit die beiden Fürsorgerinnen ein, mit denen ich zusammen arbeite. In den Jahren unserer jetzt über sechsjährigen gemeinsamen Arbeit habe ich sie eingehend in alle grundlegenden Fragen der Psychoanalyse einführen können; ich lasse nach Möglichkeit keine