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Der durch die Eidetik gewonnene neue Erfahrungsreichtum verlockt dazu, sich mit der Lehre von den Sinnestäuschungen, wie sie die Psychiatrie geschaffen hat, auseinanderzusetzen. — Zur selben Zeit aber ist die Psychiatrie im Begriff, ihrerseits ihre Ansichten über das Wesen der Sinnestäuschungen einer Revision zu unterziehen, die unter Schröders Führung in letzter Konsequenz zur Relativierung der alten Begriffe, wie Halluzination, Illusion, Pseudohalluzination, führt, die zu Sammelbegriffen für eine Fülle phänomenologisch grundverschiedener Erscheinungsgruppen werden mögen, ähnlich, wie wir das mit dem Begriff der Schizophrenie erlebt haben. Die vorliegende, von skeptischer Vorsicht getragene Arbeit will den Boden für die kommende Auseinandersetzung zwischen Eidetik und Psychiatrie bereiten helfen.
Den Sockel der Arbeit bildet eine Beweisführung, die uns Psychoanalytiker besonders interessiert, denn sie belegt mit einer Reihe guter Argumente die Freudsche Hypothese der Zweizeitigkeit des Wahrnehmungsvorgangs, wie sie in der Arbeit „Notiz über den Wunderblock“ niedergelegt ist. Scharnke schreibt: Jänsch, der Begründer der Eidetik, nimmt an, daß „Wahrnehmung und Vorstellung … die Endpunkte einer ganz normalen Entwicklung aus der gemeinsamen Wurzel der Anschauungsbilder heraus (seien) … Wir (aber) müssen prüfen, ob es wirklich fließende Übergänge zwischen Wahrnehmung und Vorstellung geben kann … Es gibt nun … sehr gewichtige Gründe für die Annahme, daß die Empfindungen, bzw. Wahrnehmungen einerseits und die Vorstellungen, bzw. Erinnerungen andererseits nicht an die gleichen Hirnelemente, bzw. Hirnterritorien gebunden sein können … Die Elemente der Kalkarina müssen, wenn die Funktion des Empfindens und Wahrnehmens ungestört ablaufen soll, blitzschnell in den Zustand vor der Empfindung zurückkehren, um zur Aufnahme der nächsten Empfindung bereit zu sein; es läßt sich schwer vorstellen, daß sie außerdem zum dauernden Festhalten einer Empfindung geeignet sein könnten.
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