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Der Autor gibt in dem Büchlein sechs Vorträge, von ihm in Lübeck gehalten, wieder. Er erscheint darin als ein gründlicher Kenner der „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“, die er seiner kurzen, im wesentlichen bejahenden, sehr klaren Darstellung der psychoanalytischen Ergebnisse zugrunde legt. Auch die zugehörigen Beispiele für Fehlleistung, Traum und neurotisches Symptom sind den „Vorlesungen“ entnommen. Nur dem Ödipuskomplex und der „Überschätzung“ der Bedeutung der Sexualität für das Seelenleben gegenüber wird der sonst zur Analyse so positiv eingestellt erscheinende Verfasser vorsichtig. Er schlägt vor, anzunehmen, 50 Prozent der von Freud genannten Fälle seien auf Konto des Geschlechtstriebes zu setzen; auch dann bleibe der Kern der Freudschen Lehre unangetastet. Für die restlichen 50 Prozent springt ihm die Individualpsychologie Alfred Adlers rettend ein, die die Ichtriebe als Veranlasser der Neurose betrachtet, während die Sexualität eine untergeordnete Rolle spiele. Der Verfasser vermißt bei Freud ohnehin die „stärkere Herausarbeitung des Gedankens der Einheitlichkeit des menschlichen Seelenlebens“. Freud vertrete eine dualistische Auffassung des Seelenlebens. Der Verfasser läßt hier außer acht, daß die Doppeldarstellung der psychologischen Vorgänge eine Notwendigkeit aus der Existenz des Unbewußten ist, die er doch vorher voll anerkannt hat. Auch scheint ihm die Betonung der vereinheitlichenden organisatorischen Tätigkeit des Ich in den letzten Freudschen Schriften entgangen zu sein. Diesen angeblichen Mangel an der Freudschen Lehre fülle wiederum Alfred Adler aus, der im Begriffe der Individualität, d. h. der Einheitlichkeit und Einzigartigkeit der menschlichen Persönlichkeit, den Grundbegriff der Psychologie sehe. Mit der gleichen Wärme und Begeisterung für eine neue Lehre, die die Darstellung der Analyse kenn